Die Historische Ecke - das Elstertalstadion
Im allgemeinen Sport-Boom nach
dem II. Weltkrieg mangelte es überall an
geeigneten Sportanlagen, auch in Oelsnitz. Im
März 1948 beschloss der Stadtrat daher den
Bau einer großen, repräsentativen Sportstätte
auf dem Gelände hinter dem damaligen Volkshaus,
der heutigen Diskothek "Magic". Verantwortlicher
Projektant war der im April 2001 verstorbene Fortschritt
Sportler Siegfried Friedrich. Nach dem ersten
Spatenstich im Mai 1948 vergingen allerdings fast
vier Jahre, bevor die in unzähligen Stunden
freiwilliger Arbeit unter schwierigen Bedingungen
erbaute und maximal 7000 Zuschauer fassende Arena
fertiggestellt werden konnte.
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| Nach dem ersten Spatenstich
von Stadtrat Arthur Bühring begannen
die Sortler und ihre Helfer im Mai 1948 mit
der schweisstreibenden Arbeit. Nur Hacken,
Schaufeln, drei Kipploren und 100m Gleis standen
zur Verfügung. 4 Jahre später konnte
die Arena eingeweiht werden. |
Ursprünglich sollte das neu
erbaute Stadion den Namen des Anfang der 50 er
Jahre in einem Pokalspiel in Könnern bei
Halle auf dem Rasen tot zusammengebrochene Oelsnitzer
Traktor Akteurs Walter Geupel tragen. Doch dieser
lobenswerten Initiative aus Sportlerkreisen machte
die allgegenwärtige Politik einen Strich
durch die Rechnung. Im Westen des geteilten Deutschlands
wurde gerade gegen Adenauers Generalvertrag zur
militärischen Aufrüstung demonstriert.
Bei einem dieser Proteste in Essen kam ein 21
jähriger namens Philipp Müller unter
dubiosen Umständen ums Leben. Schnell wurde
er von Machthabern und Medien in der DDR zum Friedenshelden
und Märtyrer hochstilisiert, was er in Wirklichkeit
nie war. Die führenden Persönlichkeiten
des Kreises Oelsnitz schienen da nicht zurückstehen
zu wollen und fassten kurzfristig den Beschluss,
die neue Sportstätte nach dem westdeutschen
"Friedenskämpfer" zu benennen.
So wurde das Oelsnitzer Stadion am 28. Juni 1952
offiziell als "Philipp-Müller-Kampfbahn"
eingeweiht. Neben dem damaligen Vizepräsidenten
der DDR, Otto Nuschke, war auch die Witwe des
unfreiwilligen Namenspatrons, Ortrut Müller,
anwesend. Umrahmt wurde die Zeremonie von zahlreichen
Wettkämpfen. Höhepunkt war der Fußballvergleich
einer Oelsnitzer Stadtauswahl mit dem damaligen
Oberligisten Forschritt Merane, den die Gäste
mit 7:3 für sich entschieden. 6000 Zuschauer
bildeten eine für die heutige Zeit unvorstellbare
Kulisse. Ein Rekord, der bis zum heutigen Tag
unerreicht bleibt. Trotzdem wurde die ohne jegliche
Beziehung zur Teppichstadt gewählte Bezeichnung
der neuen Arena von der Bevölkerung nie richtig
akzeptiert. In Gesprächen rund um den Oelsnitzer
Sport war meist nur vom "Stadion" die
Rede. So störte es auch kaum jemanden, dass
noch drei Jahre nach dem Ende des Sozialismus
ein Schild auf dem Kampfrichtergebäude die
Sportstätte noch immer als "Philipp-Müller-Kampfbahn"
auswies. Da sich von offizieller Seite niemand
verantwortlich fühlte, wurde das Relikt aus
alten Zeiten dann kurzentschlossen von einigen
TSV Fußballern abmontiert.
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| Elstertalstadion,
Spielstätte des SV Merkur 06 Oelsnitz
e.V. |
Erst am 7. August 1993 wurde das
Stadion offiziell in "Elstertalstadion"
umbenannt. In einem Preisausschreiben der Tageszeitung
"Freie Presse" favorisierten die Mehrzahl
der Teilnehmer diesen Namensvorschlag, den dann
auch eine extra einberufene Kommission für
geeignet befand. Mit einem Match der TSV Kicker
gegen eine Auswahl ehemaliger Fußballprofis
wurde der frisch verlegte Rasen der umbenannten
Sportstätte gebührend eingeweiht. Vor
2000 begeisternden Zuschauer siegten die Simonsen,
Allofs, Burdenski, Reinders und Streich mit 7:4.
Eine letzte Verjüngungskur erhielt das "Geburtstagskind"
Anfang 1998, als die maroden Stehplatz-Traversen
rekonstruiert und Flutlichtmasten installiert
wurden. Kaum zu glauben, dass sich die wechselvolle
Geschichte der größten Oelsnitzer Sportarena
am 28. Juni 2002 erst zum 50. Male jährte.
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